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| 09.02.2005 |
Statt ,Halloween´ Wohnen im Park - Im Zentrum von Oer-Erkenschwick werden Betonklötze wieder
l(i)ebenswert
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Um es gleich vorwegzunehmen: Oer-Erkenschwick tat damals nichts anderes als viele bundesdeutsche Städte auch. Man baute verdichtet, hoch, höher, am höchsten, verbrauchte wenig Fläche und kam sich modern und großstädtisch vor. Das war Mitte der siebziger Jahre und wurde als wohnungspolitische Großtat gefeiert. Nur, dass es nicht funktionierte. Mit der Anonymität kam der Dreck, das Chaos, zog nur noch ein, wer nichts anderes fand oder gleich von der Stadt eingewiesen wurde. Adresse: Halluinstraße oder, wie die Leute sagten, Halloweenstraße. Ein Ort zum Gruseln.
Sieben Millionen Euro Fördermittel fließen nun nach Oer-Erkenschwick, damit die drei heruntergekommenen Wohnblöcke nicht mehr aus dem eher kleinteiligen Stadtgefüge herausragen. Gelder des Programmes "Stadtumbau West", mit denen allein in NRW 32 städtebauliche Maßnahmen finanziert werden, um die negativen Auswirkungen des Strukturwandels, das Schrumpfen der Städte zu bewältigen.
Seit knapp einem Jahr arbeiten sich in Oer-Erkenschwick die Sägen durch den Beton, wird Stockwerk für Stockwerk abgetragen. Schon ist zu erkennen, wie es einmal aussehen wird. Der erste Block wurde bereits auf vier Etagen abgetragen, von Asbest und Schieferverkleidung befreit, und ist - so weiß und kubisch er dasteht - kaum wieder zu erkennen. Nichts erinnert mehr an ein abgewracktes Hochhaus.
Jörg Bernau kam aus dem Sächsischen, was nicht zu überhören ist, und deshalb nennen sie ihn an der Halluinstraße leicht ironisch den Mann, der für den "Abbau West" zuständig ist. Vor knapp zwei Jahren übernahm Jörg Bernau als Kundenbetreuer der Vestisch-Märkischen Wohnungsbaugesellschaft die 220 Wohnungen dort. Und obwohl er wusste, "was hier abgeht", hatte er mit solch einer Konfrontation mit den Mietern nicht gerechnet. Seine erste Reaktion auf die Verhältnisse an der Halluinstraße war, 50 Mietern Briefe zu schreiben, sie auf ihre im Mietvertrag festgehaltene Pflicht aufmerksam zu machen, den Flur zu putzen.
Ein erster zaghafter Versuch, dem ganz normalen Chaos in der Halluinstraße zu begegnen. 17 Nationen lebten dort, viele Sozialhilfeempfänger, dazu sozial schwache Familien. Da flogen Mülltüten von den Balkonen, weil Zielschießen bequemer war, als sie selbst runter zu bringen. Da wurden gern mal Türen zerschlagen und die Aufzüge mit Toiletten verwechselt. All das ist längst Vergangenheit, wird sich in den neuen, alten Häusern kaum wiederholen können. Viele Mieter sind ausgezogen, einige wenige werden in die erheblich kleineren Gebäude zurückkehren.
"Bevor wir mit den Umbauten begonnen haben, setzten wir uns mit anderen großen Vermietern an einen Tisch und einigten uns darauf, die schwierigen Mieter auf andere Wohungen in der Stadt zu verteilen", erklärt Jörg Achim Schwenzfeier, der Geschäftsführer der Vestisch-Märkischen Wohnungsbaugesellschaft (VMW). Zudem verzichtet die Stadt drei Jahre lang auf ihr Belegungsrecht für die mit öffentlichen Mitteln geförderten Wohnungen.
Man war sich bewusst, dass nicht nur der Zustand der Häuser, sondern auch die Mieterstruktur sich ändern musste, um die Halluinstraße von dem ihr anhaftenden Stigma zu befreien.
Und genau so läuft es nun auch. Von 220 Wohnugen werden bis 2007 nur noch knapp 100 übrig sein, frisch renoviert und modernisiert. Mit neuen Bädern, Küchen, Türen und Fenstern ausgestattet, mit leichten, stählernen Balkonen versehen, die nichts mehr mit den Beton-Ungetümen der 70er gemein haben.
Schon häufen sich die Anfragen von Leuten, die gerne einziehen möchten. Wohnen mitten in der Stadt, bald auch noch grün eingebettet in einen Park, das klingt verlockend. Noch dazu, weil gleich nebenan ein modernes Altenzentrum liegt, mit dem die VMW einen Kooperationsvertrag für ihre Wohnungen abgeschlossen hat. Ein Konzept, das aufzugehen scheint. In das erste Penthouse, das den gestutzten Hochhäusern draufgesetzt wird, zieht eine ältere Dame, eine Erkenschwickerin, die dafür ihr Haus verkaufte.
Knapp 30 000 Menschen leben in Oer-Erkenschwick. Doch die Zeiten, in denen die Stadt noch wuchs, sind längst vorbei, der demographische Wandel macht sich bemerkbar. Bernd Immohr, Oer-Erkenschwicks Baudezernent: "Viele Wohnungen werden nicht mehr gebraucht, und die Wohnblöcke an der Halluinstraße waren immer ein Fremdkörper. Wir wollen weg vom Bergbau, eine moderne Stadt werden. Mit viel Wohnen und Freizeit."
"Wohnen im Schillerpark" lautet ambitioniert der Arbeitstitel für das, was noch Halluinstraße ist und lieber heute als morgen die Erinnerung an Halloween, das Gruseln, abstreifen möchte.
09.02.2005 / Quelle: WAZ / Lokalausgabe Essen
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