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| 05.10.2006 |
"Früher Plattenbau - heute schön"
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Landesminister werden mit einer ausführlichen Presseschau bedient und jüngst brauchte Oliver Wittke gar nicht zu blättern. Denn gleich auf Seite eins stand es in dicken Lettern: Oer-Erkenschwick hat beim Projekt Stadtumbau West den weitesten Fortschritt erzielt.
Wenn das kein Grund ist, sich vor Ort die Erfolgsgeschichte einmal genauer erklären zu lassen. Fachleute sind genug vor Ort am "Schillerpark". Jene Siedlung, die der Landes-Städtebauminister bei seinem Rundgang als "früher Plattenbau West und heute sehr schön" bezeichnen wird.
Jörg Schwenzfeier, Geschäftsführer der Vestisch-Märkischen Wohnungsbaugesellschaft (VMW), ist das Projekt schon immer eine Herzensangelegenheit gewesen. Wohlwissend, dass mit dem Rückbau der Hochhäuser eine Imagekorrektur für eine Siedlung vollzogen wird, die alles war - nur nicht beliebt. Bis 2004 gab es 221 Wohneinheiten. Leerstandsquote am Ende: Satte 20 Prozent. So konnte es nicht weitergehen. In den Neunziger Jahren kursiert schon der Begriff vom "Quartier in der Sackgasse". Dazu ein Mix aus 17 unterschiedlichen Nationalitäten. Wer den Begriff "Sozialer Brennpunkt" nicht mag, muss nach Alternativen Ausschau halten. Aber eigentlich spiegelt er die Situation damals genau wider.
Und heute: Der Abriss des dritten Blocks steht bevor - und dann soll der "Stadtumbau West" im kommenden Jahr endgültig vollzogen sein. Kein Zweifel, ohne Bundes- und Landesförderung wäre die Rückbaumaßnahme nie zu realisieren gewesen. Rund 18 Mio. Euro kostet die Maßnahme insgesamt - kein Pappenstiel für eine Wohnumfeldverbesserung.
Die es in sich hat und den Minister einerseits verzücken lässt, andererseits aber auch zu der These verleitet: "Ob wir diesen Standard überall erreichen können, müssen wir abwarten." Jedenfalls sei das, was er gesehen habe, eine "sehr gute Sache".
Lob hin und her, gerade einmal einen Steinwurf entfernt ist es mit dem "Stadtumbau" eine Crux. Der Technische Beigeordnete Bernd Immohr und Bürgermeister Achim Menge nutzen an einem solchen Tag die Chance - bitte Herr Minister, ein kurzer Fußmarsch Richtung Kreisverkehr Ewaldstraße. Hier blickt man auf die Zechenbrache, hier blickt man auf noch real existierende Probleme innerstädtischer Zukunft. Natürlich fällt wieder der Begriff der "Klinik für übergewichtige Kinder", die dort entstehen könnte. Aber gleichwohl soll der Minister wissen: Es krankt in der City.
"Machen Sie eine Wunschliste. Der Stadtumbau West ist eine Chance, die nicht wiederkommen wird", sagt Sabine Nakelski, Abteilungsleiterin im Ministerium. Sie werde sich dann melden und berichten, was möglich sei, gibt sie mit auf den Weg. Minister Wittke hat ebenfalls versprochen, die Situation genauer unter die Lupe zu nehmen. "Das Thema Innenstadt sollten wir nicht im Vorbeigehen erörtern. Ich komme wieder."
Wann, das kann er noch nicht sagen. Wie lange, das schon eher. "Da nehme ich mir dann drei Stunden Zeit."
Die wird er brauchen. Denn es gibt hier mehr Stolpersteine als nur einen Bauzaun.
Donnerstag, 05. Oktober 2006 | Quelle: Stimberg Zeitung (Oer-Erkenschwick)
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