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Aktuelle Neuigkeiten
| 11.03.2008 |
Der Segregation auf der Spur |
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Die beiden jungen Männer, die in Bochum Sozialwissenschaft studieren, haben im zurückliegenden Semester ein Seminar mit dem Titel "Stadt- und Migrationssoziologie" belegt. Das müssen sie jetzt mit einer Hausarbeit abschließen. Lust auf trockene Theorie hatten sie wenig, und so überlegten Christopher Roch (22), der aus Oer-Erkenschwick kommt, und sein Kommilitone Marvin Garbuszos (21) aus Dortmund, ein praxisnahes Thema zu wählen.
Was die beiden interessiert: Wer hat vor dem Umbau in der Wohnanlage gewohnt und wer wohnt dort jetzt? Wie ging das Umzugsmanagement vonstatten? Wie haben sich Leerstände entwickelt? Wie sieht die Sozial- und die Mieterstruktur aus? Christopher Roch: "Das ist ja schon hier eine Art sozialer Brennpunkt gewesen." Einen genauen Titel haben die beiden noch nicht, denn sie stehen erst am Anfang der Recherche. Literatur haben sie sich schon in Uni-Bibliothek und Internet besorgt. Richtig wertvoll sind aber erst die Gespräche mit den Menschen aus der Praxis. Uwe Goemann, Geschäftsführer der Vestisch-Märkischen Wohnungsbaugesellschaft (VMW), hatte beispielsweise eine ganze Menge Daten und Zahlen für die beiden Studenten parat. Dass es 20 Prozent Leerstände vor Umbaubeginn gab und dass jetzt alle Wohnungen vergeben sind. Oder dass vorher Bewohner aus 17 Nationen an der Halluinstraße lebten, jetzt nur noch aus sechs. Dass vorher 30 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund dort Wohnungen gemietet hatten und jetzt sieben Prozent. Dass vorher 15 Prozent ältere Mieter, also über 65-Jährige, dort wohnten - jetzt 53.
Genau solche Fakten brauchen die Studenten, sind sie doch speziell den Segregations-Tendenzen auf der Spur, also der Frage nach der Absonderung einer Bevölkerungsgruppe nach Religion, Herkunft oder anderen Merkmalen. "Einerseits kann man nach Gründen für Segregation fragen, aber auch nach Konsequenzen", erklärt Marvin Garbuszos. "Entsteht ein Gemeinschaftsgefühl?", wäre beispielsweise eine Forschungsfrage nach den Konsequenzen. Ursprünglich hatten sie deswegen auch Gespräche mit den Bewohnern für ihre später rund 25 Seiten umfassende Hausarbeit in Betracht gezogen. Jörg Bernau, VMW-Wohnberater, hat sich jetzt aber als ideale Auskunfts-Person herausgestellt: Er führte mit sämtlichen Bewohnern Gespräche vor dem Rückbau und managte die Umzüge, nahm quasi die Bewohner an die Hand - bei ihm laufen schnittstellenartig die Infos zusammen. "Von so einer Vorgehensweise hatte ich noch nie gehört und sie ist ja auch nicht üblich", staunt Roch.
Und jetzt heißt es für die beiden: "Meter machen! Schreiben, schreiben, schreiben." Damit es 25 gehaltvolle Seiten werden und die Begeisterung ihres Dozenten, dem seine Studierenden sonst immer eher Hausarbeiten über Städtebauprojekte in Großstädten wie Dortmund, Essen oder Gelsenkirchen vorlegen, über den "Exoten Erkenschwick" anhält.
11.03.2008 | Quelle: Medienhaus Bauer
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