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Aktuelles Stadtumbau West VMW und THS-Gruppe
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Dreidimensionale Ausgestaltung der Förderung von Umbaustrategien
Die Aufgabenstellungen im Stadtumbau sind mehrdimensional. Sowohl bei der Problembetrachtung insbesondere aber bei der Ausgestaltung der Förderung von Umbaustrategien müssen die soziale, die wirtschaftliche und die ökologische Dimension gleichermassen betrachtet werden:

Die soziale Dimension
Rückläufige Bevölkerungszahlen in den Städten sind allein kein Indiz dafür, dass Menschen mit ihrer Lebenssituation unzufrieden sind. Der Rückgang der Einwohnerzahl ist z.T. durch die natürliche Veränderung in der Zusammensetzung der Bevölkerung bedingt. Zudem sind weniger mangelhafte Lebensqualitäten, sondern ganz konkret fehlende Arbeitsplatzangebote Anlass genug, die Heimat zu verlassen und andernorts neu anzufangen.

Attraktive Angebote in den Umlandgemeinden - als Folge intensiver Bautätigkeit - haben diesen 'Ausdünnungsprozess' in den Städten beschleunigt. Schlechte Wohnungen sind nicht mehr vermietbar und stigmatisierten Standorten in der Stadt droht die schleichende Entleerung. Damit ist eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt, die weitreichende Folgen hat. Der Bevölkerungsverlust in den betroffenen Quartieren bewirkt, dass sich gewachsene Nachbarschaften auflösen und informelle Hilfesysteme zerbrechen. Doch gerade für bestimmte Nachfragegruppen sind diese Angebote - ergänzend zu öffentlichen Einrichtungen - von unschätzbarem Wert. Der preisgünstige Wohnungssektor erfüllt eine unverzichtbare Versorgungsfunktion, die durch steuerbegünstigten Neubau am Stadtrand nicht erfüllt werden kann.

Die vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen nachhaltiger Stadtentwicklung und dem Wohlbefinden der Bürger und Bürgerinnen erfordern ein behutsames Vorgehen bei dem Umbau städtischer Quartiere. Schließlich ist angesichts der zunehmenden Alterung unserer Gesellschaft davon auszugehen, dass das gewohnte Wohnumfeld, die Erhaltung wohnungsnaher Infrastruktur und die Wahrung gewachsener Strukturen eine zunehmende Wertschätzung erfahren. Die Daueraufgabe des Stadtumbaus wird nur dann erfolgreich sein, wenn es gelingt, diesen Prozess sozialverträglich zu gestalten. Die Sicherung einer bedarfsgerechten Infrastruktur nimmt hier eine Schlüsselrolle ein.

Die wirtschaftliche Dimension
Vor dem Hintergrund der vorgenannten Veränderungen in der städtischen Bevölkerungszusammensetzung offenbaren die örtlich z.T. hohe Arbeitslosigkeit und die wachsende Abhängigkeit von öffentlichen Transferleistungen ein weiteres Dilemma. Fehlende Arbeitsplätze bedeuten persönliche Einschränkungen für die betroffenen Privathaushalte. Durch die geringe örtliche Kaufkraft sind auch die lokalen Unternehmen betroffen, die ihre Waren nicht absetzen und Dienstleistungen nicht realisieren können. Dies bewirkt eine weitere Verschlechterung des örtlichen Angebotes und in Folge noch weniger Arbeitsplätze.

Auch die örtliche Wohnungswirtschaft sieht sich einem zunehmenden Dilemma ausgesetzt: Die Mietzahlungsfähigkeit bzw. -bereitschaft für bestimmte Wohnbestände schwindet und der Modernisierungsbedarf für die Bestandswohnungen erhöht sich. Auch notwendige Instandhaltungen lohnen sich für den Wohnungseigentümer wegen mangelhafter Vermietungsaussichten nicht. Zahlungskräftige Nachfrager orientieren sich an attraktiveren Angeboten, bevorzugt im Umland und im Eigenheimsektor. Der dadurch verstärkte Leerstand von Wohnungen beschränkt wiederum den Investitionsspielraum der Wohnungsanbieter. Der Ruf nach öffentlichen Mitteln verkennt dabei, dass Städtebauförderung nicht Unternehmensförderung bedeuten kann; dem stehen subventionsrechtliche Probleme, nicht zuletzt des EU-Rechtes entgegen.

Die Vielschichtigkeit der wirtschaftlichen Dimension des Stadtumbaus drückt sich auch darin aus, dass geringe Gewerbesteuer- und Einkommensteuereinnahmen dazu zwingen, kommunale Angebote zu streichen oder die öffentlichen Gebühren anzuheben. Öffentliche Einrichtungen sind nicht länger zu angemessenen Kosten zu betreiben. Geringe Auslastung erhöht die Kosten für die verbleibenden Nutzer. Privatisierungen führen nicht selten zur Ausgrenzung nicht zahlungsfähiger Bewohner. Die Armut der öffentlichen Haushalte wegen knapper Einnahmen und angespannter Ausgabenlage erschwert es den Kommunen, die notwendigen Anpassungen durch investive Maßnahmen durchzuführen. Steigende Transferleistungen, wie Sozialhilfe, Wohngeld, verhindern zunehmend notwendige Investitionen in die Zukunft. Die Sicherung des bisherigen Standortvorteils der Stadt mit einem dichten Netz an städtischer Infrastruktur muss als Argument gegen weitere Abwanderung erkannt werden.

Die ökologische Dimension
Beim Stadtumbau ist sehr genau darauf zu achten, dass die durch Bestandsmaßnahmen ausgelösten Stoffströme umweltverträglich gesteuert werden. Gerade bei Abrissmaßnahmen offenbart sich, dass der Gebäudebestand ein 'schlummerndes Zwischenlager' von Sondermüll darstellt. Die Freisetzung sehr problematischer Baustoffe und das noch weitgehend unbekannte Zusammenwirken ihrer Bestandteile weist Grenzen ihrer Entsorgung auf. Leitlinien zukunftssichernder Stadtumbaustrategien haben sich deshalb an der in der Müllbewirtschaftung inzwischen als selbstverständlich angesehenen Reihenfolge zu halten: vermeiden, vermindern, wiederverwenden, beseitigen.

Die Anpassung des Bestandes im Sinne einer ressourcenbewussten Stadtpolitik bietet eine große Chance, die sozialen und wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Die ökologisch orientierte Bestandssicherung erzeugt nicht nur bessere Wohnverhältnisse, sondern bietet zudem örtlichen Handwerksbetrieben eine gute Einkommensbasis und kann neue Arbeitsplätze schaffen. Unter den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit sind regionale Kreisläufe und Vernetzungen zu stärken. Gerade die behutsame Anpassung des Bestandes kann ein solider Beitrag zur Stärkung der örtlichen Wirtschaft sein. Eine enge Kooperation der Städte mit ihren Nachbargemeinden ist unverzichtbar für eine erfolgreiche Steuerung des Stadtumbaus.
(Quelle: www.stadtumbauwest.info)

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